04/05/2024

Ethos empfiehlt, den Nachhaltigkeitsbericht von Nestlé, der den Aktionärinnen und Aktionären an der Generalversammlung vom 18. April zur Abstimmung vorgelegt wird, abzulehnen, da er zu wenig Informationen über wichtige Themen wie Kinderarbeit und Klimawandel enthält. Hingegen empfiehlt Ethos, dem Aktionärsantrag zuzustimmen, der Nestlé auffordert, den Anteil gesünderer und nährstoffreicherer Nahrungsmittel am Umsatz zu erhöhen.

Nestlé hält am 18. April die jährliche Generalversammlung in Lausanne ab. Neben den üblichen Traktanden (Vergütungen, Wahlen etc.) werden die Aktionärinnen und Aktionäre über den Nachhaltigkeitsbericht, wie neu gesetzlich vorgeschrieben, sowie über einen Aktionärsantrag von ShareAction und institutionnellen Investoren abstimmen. Letzterer hat zum Ziel, die Statuten des Unternehmens dahingehend zu ändern, dass der Anteil verkaufter gemäss einem anerkannten Standard gesünderer Produkte erhöht wird. 

Die Stimmempfehlungen von Ethos basieren auf einer gründlichen Analyse jedes einzelnen Traktandums und beinhalten die Empfehlung, den Nachhaltigkeitsbericht abzulehnen und dem Aktionärsantrag zuzustimmen. Die Stimmempfehlungen basieren auf den jährlich überarbeiteten und aktualisierten Richtlinien zur Ausübung der Stimmrechte sowie auf einer ACT-Analyse des Klimaplans des Unternehmens. Die ACT-Analyse bewerte die Fähigkeit eines Unternehmens zu einer CO2-armen Wirtschaft beizutragen.

Ethos begrüsst die Anstrengungen, die Nestlé in den letzten Jahren unternommen hat, um den Inhalt und die Qualität des Nachhaltigkeitsberichts 2023 zu verbessern. Ethos ist jedoch der Ansicht, dass der Transparenzgrad des Berichts für ein Unternehmen der Grösse Nestlés, das mit zahlreichen ökologischen und sozialen Herausforderungen konfrontiert ist, ungenügend ist. Insbesondere:

  • Die Treibhausgasemissionen (THG) werden nicht detailliert genug veröffentlicht, insbesondere werden die indirekten Emissionen (Scope 3) nicht nach Kategorien dargestellt, wie es das THG-Protokoll vorsieht;
  • Aus dem Bericht geht nicht hervor, welche Investitionsausgaben getätigt wurden (oder in Zukunft getätigt werden sollen), um die gesetzten Klimaziele zu erreichen;
  • Der Bericht enthält keine genauen quantitativen Ziele für jedes wesentliche ökologische oder soziale Thema, insbesondere keine relevanten Ziele für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz;
  • Obwohl Nestlé in hohem Masse Risiken im Zusammenhang mit Menschenrechten und Kinderarbeit ausgesetzt ist, veröffentlicht das Unternehmen weder die Anzahl der Audits, die speziell zu diesem Thema durchgeführt wurden, noch berichtet es über die Ergebnisse dieser Audits;

Zudem bedauert Ethos, dass das Unternehmen entgegen dem Geist des Gesetzes die Abstimmung über den Nachhaltigkeitsbericht als Konsultativabstimmung und nicht als bindende Abstimmung betrachtet.

Stärkung der sozialen Verantwortung von Nestlé

Eine von der englischen NGO ShareAction koordinierte Investorenkoalition hat einen Aktionärsantrag eingereicht. Der Antrag entspricht nach Ansicht von Ethos den langfristigen Interessen der Mehrheit der Anspruchsgruppen von Nestlé. Er zielt darauf ab, die soziale Verantwortung von Nestlé zu stärken, indem das Unternehmen aufgefordert wird, sich Ziele für den Anteil des Umsatzes zu setzen, der aus gesünderen und ausgewogeneren Nahrungsmitteln stammt, basierend auf einem anerkannten Standard wie dem "Nutri-Score".

Ethos nimmt die jüngsten Fortschritte von Nestlé bei der Erhöhung der Transparenz bezüglich der Nährstoffqualität ihres Portfolios zur Kenntnis.  Ethos ist der Ansicht, dass die vorgeschlagene Statutenänderung diesen Weg weiterführt und ein gutes Mittel darstellt, um in Zukunft den Anteil gesünderer Produkte zu erhöhen. Die Statutenänderung wird auch dazu beitragen, den Verwaltungsrat gegenüber den Aktionärinnen und Aktionären in die Pflicht zu nehmen und ihm ein klares Mandat zur Förderung einer ausgewogenen und nachhaltigen Ernährung zu erteilen.

Wie üblich wird Ethos alle Stimmempfehlungen fünf Tage vor der Generalversammlung auf ihrer Website publizieren.

Nachricht
Generalversammlungen