Die Zeiten sind hart für die Investmentbanken, vor allem für jene in den USA. Kritik gibt es von allen Seiten, die Gewinne schrumpfen, die Vergütungen sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Resultat: Die Moral der Banker sinkt und es wird schwierig, neue Kräfte einzustellen.
Der Rücktritt von Greg Smith, ein Geschäftsleitungsmitglied von Goldman Sachs, sorgte für Aufsehen weit über die Wall Street hinaus. Der Leiter der Einheit Derivate für Europa, den Nahen Osten und Afrika kündigte nach zwölf Jahren bei Goldman Sachs, weil er von der Unternehmenskultur enttäuscht ist. Mit harten Worten schlug er die Tür hinter sich zu: Die Unternehmenskultur bezeichnet er als „übel“, als „ebenso toxisch wie die Produkte einiger Abteilungen“. Er forderte die Führungsinstanzen auf, schnellstens Massnahmen zu ergreifen, um diesen Zuständen abzuhelfen, da sonst das langfristige Überleben der Bank gefährdet sei.
Tatsächlich haben die Manager der Investmentbank, darunter der Chairman und CEO Lloyd Blankfein, einen radikalen Wechsel der Unternehmenskultur in Richtung Maximierung des kurzfristigen Eigeninteresses zu verantworten. Zahlreiche Banker an der Wall Street geben zu, dass der geräuschvolle Rücktritt berechtigte Fragen aufwirft: Wenn Geld verdienen gut ist, ist es dann besser, immer noch mehr Geld zu scheffeln, auch auf Kosten der Kunden? Ist die Kultur der Wall Street heute wirklich derart auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtet, dass die Interessen der Kunden nicht mehr an erster oder zweiter, sondern an letzter Stelle stehen?