An der Generalversammlung von Logitech lehnte Ethos den Vergütungsbericht ab. Die im Laufe des Jahres ausgezahlte variable Vergütung ist vor dem Hintergrund des schlechten Unternehmensergebnisses zu hoch. Und die Zukunftsaussichten bleiben schlecht: Logitech veröffentlichte eine Gewinnwarnung und der CEO trat per Ende Juli 2011 zurück. Positiv ist jedoch, dass Logitech das Vergütungssystem verbesserte: Nichtexekutive Mitglieder des Verwaltungsrats und Mitglieder der Geschäftsleitung erhalten keine Optionen als Vergütung mehr. Der Bericht wurde mit 82 Prozent der Stimmen genehmigt, einem eher schlechten Ergebnis.
Weiter hatte der Verwaltungsrat einen Antrag auf Aktienrückkauf gestellt, obwohl das Unternehmen systematisch keine Dividende ausschüttet. Eine starke Aktionärsminderheit, darunter Ethos, bereitete diesem Antrag einen kühlen Empfang: Er wurde mit nur zwei Dritteln der Stimmen angenommen. Die Anleger profitieren nämlich nicht vom Verkauf ihrer Aktien, während Dividenden allen Anteilseignern zugute kommen.
Ems-Chemie: Ethos verweigert Entlastung
An der Generalversammlung von Ems-Chemie stimmte Ethos gegen die Entlastung des Verwaltungsrats. Dieser besteht aus vier Mitgliedern, was für ein Unternehmen dieser Grösse ungenügend ist. Mitglied des Verwaltungsrats ist zudem die CEO des Unternehmens, die auch zur Gruppe der Mehrheitsaktionäre gehört. Das Gremium verfügt also über lediglich zwei unabhängige Mitglieder – für Minderheitsaktionäre ein grosses Risiko.
An derselben Versammlung widersetzte sich Ethos der Wiederwahl des Revisors, da seine Unabhängigkeit gefährdet ist: Seit drei Jahren erhält er höhere Honorare für andere Dienstleistungen als die Buchprüfung. Auch weigert sich Ems-Chemie, Namen und Honorar des zusätzlichen Buchprüfers offenzulegen. Dieser prüft einen Teil der Tochterfirmen, die 35 Prozent des Umsatzes generieren.
Richemont: Verwaltungsrat wenig unabhängig
An der Generalversammlung von Richemont stellten sich alle bisherigen Verwaltungsratsmitglieder für eine einjährige Amtsdauer zur Wiederwahl. Zudem schlug der Verwaltungsrat die Wahl einer neuen und unabhängigen Kandidatin vor. Ethos begrüsste die Kandidatur einer unabhängigen Frau. Insbesondere, weil dem zwanzigköpfigen Verwaltungsrat bisher nur ein unabhängiges Mitglied angehörte.
Auch so mangelt es weiterhin an unabhängigen Mitgliedern: Sechs Mitglieder bekleiden exekutive Funktionen, was in der Schweiz äusserst selten ist. Darüber hinaus hat der Hauptaktionär, der neun Prozent des Aktienkapitals und über die Hälfte der Stimmrechte besitzt, 2010 die Funktionen des Verwaltungsratspräsidenten und des CEO zusammengelegt. Ethos empfahl Nichtwahl der achtzehn nicht unabhängigen Verwaltungsratsmitglieder, um dem Unternehmen ein Signal zu senden.
Statistik der Abstimmungsempfehlungen: 3. Quartal 2011
Ethos Stimmempfehlungen bei 66 Traktanden von sieben Generalversammlungen