Am Morgen des 18. Juni 2021 wurde die Ethos Stiftung zum Ziel einer Aktion von Aktivisten der Bewegung Extinction Rebellion. Diese verlangten von der Ethos Stiftung, dass sie Nestlé und Holcim, die beiden grössten Treibhausgasemittenten der Schweizer Börse, aus ihren Anlagen ausschliesse. Die beiden Unternehmen sind jedoch nicht in von Ethos ausgeschlossenen Sektoren tätig. Die Ethos Stiftung führte ein Gespräch mit Vertretern von Extinction Rebellion und erklärte ihnen das Vorgehen von Ethos. Es gelang ein Missverständnis bezüglich des Einflusses von Ethos auf die Anlagen der Pensionskassen, welche ihre Mitglieder sind, auszuräumen.

Die Ethos Stiftung teilt die Bedenken der Klimaaktivisten bezüglich der globalen Erwärmung und deren möglichen Auswirkungen auf die langfristige Performance der Pensionskassen. An ihrer Jahresversammlung vom 10. Juni betonte die Ethos Stiftung einmal mehr, welche Bedeutung sie dem Thema zumisst. Dieses stand auch im Mittelpunkt der im Anschluss an die Jahresversammlung organisierten Konferenz, an der fast 130 Vertreter institutioneller Anleger teilnahmen.

Im Rahmen ihrer Klimastrategie schliesst Ethos mehrere besonders CO2-intensive Sektoren, wie die Kohleindustrie oder fossile Energieträger unkonventionellen Ursprungs, von den Anlagefonds mit Ethos-Label (ungefähr CHF 3 Milliarden verwaltete Vermögen) aus. Bei grossen CO2-Emittenten, die nicht in diesen Branchen tätig sind, zieht die Ethos Stiftung Massnahmen des aktiven Aktionariats vor, wie den Aktionärsdialog, die Ausübung der Stimmrechte an den Generalversammlungen oder das Einreichen von Aktionärsanträgen.

Die Ethos Stiftung ist sich der ökologischen und sozialen Auswirkungen von Nestlé und Holcim bewusst und führt detaillierte ESG-Analysen dieser Unternehmen durch. Gleichzeitig führt die Ethos Stiftung seit zahlreichen Jahren einen systematischen Dialog mit sämtlichen kotierten Unternehmen in der Schweiz. In den letzten Jahren hat die Ethos Stiftung mit ihren Forderungen den Druck auf Nestlé und Holcim verstärkt, damit diese sich verpflichten, ihre CO2-Emissionen so zu reduzieren, dass sie mit einer maximalen globalen Erwärmung von 1.5° vereinbar sind. Sowohl Nestlé als auch Holcim haben Klimastrategien veröffentlicht, welche verschiedene Mittel zu einer deutlichen Reduktion ihrer Emissionen aufzeigen. Die Ethos Stiftung ist der Ansicht, dass es kontraproduktiv wäre, diese Unternehmen zu einem Zeitpunkt auszuschliessen, wo es unerlässlich ist, die Umsetzung dieser Klimastrategien genau zu verfolgen. Deshalb hat Ethos von Nestlé und Holcim gefordert, dass diese ihren Klimaplan den Aktionären zur Abstimmung vorlegen («Say on Climate»). Beide Unternehmen sind dieser Forderung nachgekommen.

Durch den vollständigen Rückzug aus Unternehmen wie Holcim oder Nestlé würde die Ethos Stiftung ihr Recht verlieren, an den Generalversammlungen zu intervenieren und mit den Verwaltungsräten den Dialog zu führen. Ethos würde auch ihr Recht, an den Generalversammlungen Anträge zu stellen, nicht mehr ausüben können. Gerade dadurch aber konnte Ethos die Unternehmensführung beeinflussen und erreichen, dass Nestlé und Holcim ihre Klimapläne den Aktionären zur Abstimmung vorlegen.

Die Ethos Stiftung hat Extinction Rebellion gegenüber gezeigt, dass sie offen für einen Dialog ist und bereit, ihre Vorschläge anzuhören. Damit soll in Zukunft jegliches Missverständnis bezüglich der Tätigkeit und des Einflusses der Ethos Stiftung vermieden werden. Im Gegensatz zu dem, was einige Klimaaktivisten zu denken scheinen, verwaltet die Ethos Stiftung nämlich nicht die Vermögen ihrer Mitglieder und hat keine Kontrolle über deren Anlageentscheidungen.