Generalversammlungsanalysen: Nichtschweizer Unternehmen
Telefonica gegen Portugal Telecom
Portugal Telecom musste eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen. Dies verlangte die spanischen Telefonica, ein bedeutender Aktionär und Joint-Venture-Partner bei Brasilcel (Aktionär des brasilianischen Mobilfunkanbieters Vivo). Telefonica forderte Portugal Telecom auf, ihr die portugiesische Beteiligung an Brasilcel abzutreten, andernfalls werde sie den Aktionären von Portugal Telecom ein unfreundliches Kaufangebot unterbreiten.
Da Vivo 62 Prozent zum Gewinn von Portugal Telecom beiträgt, nahm der Streit eine politische Wendung. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom 29. Juni 2010 befürworteten zwar 74 Prozent der Stimmenden das Telefonica-Angebot. Letztlich konnte der Angriff aber dank Intervention des portugiesischen Staates abgewendet werden. Er ist mit neun Prozent an Portugal Telecom beteiligt und legte sein Veto ein, indem er mit seinen Vorzugsaktien stimmte.
Börse von Tokyo fordert einen unabhängigen Verwaltungsrat pro Unternehmen
Die meisten kotierten Unternehmen Japans führen ihre Generalversammlung während zwei Wochen im Juni durch. Diese Praxis zielt offensichtlich darauf ab, die Aktionäre von einer Teilnahme abzuhalten.
Bekanntlich lässt die Corporate Governance der japanischen Unternehmen generell zu wünschen übrig, ihre Praktiken liegen häufig weit unter den Standards der internationalen Best Practice. So enthalten beispielsweise die Verwaltungsräte praktische keine unabhängigen Mitglieder. Er besteht häufig fast vollständig aus Exekutivmitgliedern, die wie eine Geschäftsleitung funktionieren. Die wenigen externen Mitglieder sind meist Vertreter eines bedeutenden Aktionärs oder der Kredit gebenden Banken. Im Juni 2010 hat nun die Tokioter Börse einen ersten Schritt zur Verbesserung getan: Sie führte eine Klausel ein, die von den kotierten Gesellschaften verlangt, mindestens ein unabhängiges Verwaltungsratsmitglied zu ernennen.
Generalversammlungen griechischer Unternehmen
Ethos hat die zwölf in Griechenland kotierten Gesellschaften des Aktienindexes MSCI Europe analysiert und Abstimmungsempfehlungen für GV-Traktanden abgegeben. Obwohl die Transparenz den europäischen Level nicht erreicht, zeigten sich die angesprochenen Unternehmen offen für Fragen der Good Governance. Es bleibt viel zu tun: So steht der vollständige Jahresbericht jeweils erst am Tag der Generalversammlung zur Verfügung und die Verwaltungsräte werden en bloc gewählt.
Ein nationaler Kodex für die Best Practice im Berich Corporate Governance ist in Vorbereitung. Seine Verabschiedung könnte der Auslöser sein, um Griechenland auf das Niveau der übrigen EU-Länder zu heben.
Kotierte Unternehmen ausserhalb der Schweiz: Ethos Stimmempfehlungen bei 4788 Traktanden von 327 Generalversammlungen