Generalversammlungsanalysen von Nichtschweizer Unternehmen
30.09.2009
Die meisten Analysen der Traktandenlisten von europäischen Unternehmen wurden von den nationalen Mitgliedern des ECGS-Beraternetzes erstellt (European Corporate Governance Service). Die Analysen der Generalversammlungen von Unternehmen in den USA und Japan lieferte das britische Beratungsunternehmen PIRC. Jene der anderen Unternehmen aus dem asiatisch-pazifischen Raum wurden vom lokalen Spezialisten SIRIS vorbereitet. Diese Beraterfirmen berufen sich auf die gleichen allgemeinen Grundsätze der Corporate Governance wie Ethos.
Im dritten Quartal 2009 betrafen 54 Prozent der analysierten Traktandenlisten britische Unternehmen. Grund: In Grossbritannien sind die ordentlichen Generalversammlungen über einen weit längeren Zeitraum gestaffelt als in den übrigen Märkten, wo fast alle Generalversammlungen im ersten Halbjahr stattfinden.
Wahlen in den Verwaltungsrat
Die Wahlen in den Verwaltungsrat machten einen Drittel sämtlicher untersuchten Anträge aus. Ethos lehnte rund 40 Prozent der Vorschläge ab. Zwei der wichtigsten Ablehnungsgründe waren die ungenügende Unabhängigkeit der Kandidaten sowie eine übertrieben lange Vertragsdauer.
Vergütungen der Führungskräfte
Die Anträge der Verwaltungsräte für die Vergütungen der Führungsinstanzen betrafen sechs Prozent aller analysierten Geschäfte (Beteiligungspläne, Vergütungsbericht, goldene Fallschirme, Kapitalerhöhungen zugunsten der Beschäftigten). Ethos lehnte 80 Prozent dieser Begehren ab, vor allem wenn die Lohnpolitik für die Führungsinstanzen zuwenig transparent und/oder die Beteiligungspläne zu grosszügig waren.
Kapitalstruktur
20 Prozent der untersuchten Anträge bezogen sich aufs Aktienkapital. Bei annähernd 80 Prozent der Begehren stimmte Ethos zu. Einige Anträge auf Kapitalerhöhung wurden jedoch abgelehnt, etwa wenn sie nicht mit einem Bezugsrecht verbunden waren.
Aktionärsanträge
Neun von Aktionären gestellte Anträge kamen an Generalversammlungen zur Abstimmung. Sieben dieser Anträge waren in den USA eingereicht worden, sechs davon betrafen Themen der Corporate Governance. Sie forderten unter anderem die Aufhebung des qualifizierten Mehrs bei bestimmten Entscheidungen (Dell), die Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht (Fedex und General Mills) oder die Wahl eines unabhängigen Chairman (Fedex). Ethos stimmte allen Anträgen zu.
Ethos unterstützte zudem zwei Aktionärsanträge bei britischen Unternehmen: Der erste verlangte die Trennung der Funktionen von Chairman und CEO bei Marks & Spencer. Mit 38 Prozent Zustimmung zeigte sich hier einmal mehr das Misstrauen der Aktionäre gegenüber einer allzu starken Machtkonzentration. Auch dem einzigen Antrag in der Berichtsperiode mit sozialer Thematik stimmte Ethos zu. Er forderte bei Tesco eine bessere Behandlung des Personals der Fleischlieferanten und erzielte elf Prozent Jastimmen.